Der 5. September – Der Schicksalstag für mich

der_5.-SeptemberDer 5. September ist seit einigen Jahren für mich ein sehr schwerer Tag. Der Todestag meines Papas. Seit nunmehr 11 Jahren ist er tot. Dieses Wort vermittelt genau das, wie sich der Verlust eines Menschen anfühlt. Kalt. Trostlos. Verlassen. Einsam. All diese Empfindungen gehen mir heute durch Mark und Bein, obwohl ich von Menschen umgeben bin, die mich lieben und die für mich da sind.
Trotzdem stand ich heute am Grab meines Vaters und weinte bitterre Tränen, auch noch als ich längst wieder auf dem Heimweg war und auch jetzt unterdrücke ich sie, obwohl es aus der Sicht des Verstandes so dämlich ist, weil mein Papa schon seit 11 Jahren nicht mehr da ist. Und doch schmerzt es noch immer zu wissen das er nicht mehr anrufen wird, weil er weiß dass ich bei Gewitter Angst habe. Oder einfach vorbei kommt und kleine Naschereien dabei hat.
Es sind die Kleinigkeiten die fehlen. Die Umarmungen wenn wir uns gesehen haben, die Möglichkeit immer um Rat zu fragen, die Zuflucht bei Problemen, die Lösungsvorschläge, einfach so angenommen zu werden wie ich bin. Und oh, wie vermisse ich sein Lachen. Das fehlt mir am meisten. Seine Augen haben dabei immer voller Schalk und Witz geleuchtet, voller Güte und Wärme.
Diese Wärme, das Gefühl der Geborgenheit, ist mit meinem Papa gestorben. „Es ist so dass ein Teil mit dir stirbt wenn ein Elternteil den letzten Weg antritt“ Genauso ist es und lässt sich nicht anders beschreiben.

Ich denke oft an die Alexa, die ich vor dem 5. September 2006 war!
Ich war jung, fröhlich, lachte ständig und dachte die Welt läge mir mit ihren Möglichkeiten zu Füßen.
Seit diesem Schicksalsschlag bin ich eine andere geworden. Ernster, ich nehme vieles nicht mehr für selbstverständlich hin, sehe vieles lockerer….und andere Dinge, für viele Kleinigkeiten, sehe ich als wichtig an.

Dieser Teil meiner Seele, die Unbeschwerte Alexa, ist gestorben, als mein Vater starb und wurde mit ihm begraben.
Ich habe Dieses Eltern/Kind-„Ding“ nie wirklich verstanden, erst seit ich Mama geworden bin, verstehe ich vieles und sehe auch so manches anders. Es bedeutet etwas, diese Blutsbande, durch die ein Kind mit seinen Eltern auf wundersame Art und Weise verbunden ist. Und ja, auch diese Bindung kann durchtrennt werden, auch das habe ich erlebt und überlebt.
So bin ich seit ich Mitte Zwanzig bin, „allein“ ohne den elterlichen Rückhalt, den viele in meinem Bekanntenkreis als so selbstverständlich hinnehmen und manche es nicht zu schätzen wissen, welch Glück sie haben, wenn die Eltern fünf mal am Tag anrufen um zu fragen wie es einem geht. Ich würde sehr, sehr viel drum geben noch einmal einen solchen Anruf von meinem Papa zu erhalten.

Zum Schluss noch ein paar Worte an meinen Papa:

Lieber Papa,
selbst nach so langer Zeit fehlst du mir jeden Tag. Es gibt so viele Momente in denen ich daran denken muss, dass du sie nicht miterlebst. Die Geburt von Katharina, deiner Enkelin zum Beispiel. Sie wächst mit dir auf, auch wenn du ein Engel bist, weiß ganz genau dass du ihr „Opa“ bist, so wie Francescos Papa ihr „Nonno“.
Du bist nach all den Jahren noch immer präsent in meinem Leben und ich frage mich sehr, sehr oft was du zu manchen Ereignissen in meinem Leben sagen würdest. Bei einigen würdest du mir die „Ohren langziehen“ bei anderen auf die Schultern klopfen. Mich vielleicht ermutigen mehr zu wagen, Wege einzuschlagen die ich nicht in Träumen wagen würde zu gehen.
Ich wünschte es wäre möglich dich noch einmal zu umarmen und dir zu sagen wie sehr ich dich liebe. Ich habe es dir viel zu selten gezeigt und gesagt, weil ich dachte wir hätten noch so viel Zeit.

Und am allermeisten wünsche ich mir, dass du stolz auf mich bist! Weil ich deine Tochter bin.

In Liebe

Alexa

 

 

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