Shades of Grey – eine absolute Geduldsprobe

Shades of GreyAnastasia Steele und Christian Grey waren im letzten Jahr nicht mehr aus den Gedanken der Frauenwelt zu vertreiben. Das Werk von E. L James war überall präsent. In Facebook wurde meine Timeline von Zitaten aus dem ersten Teil „Geheimes Verlangen“ regelrecht überschwemmt. Meine Neugier war geweckt und ich wagte mich, in meiner Pause, zu meinem Buchhändler des Vertrauens und kaufte, leicht verschämt zu allen Seiten blickend, mir 50 Shades of Grey.
Die restlichen Stunden auf der Arbeit waren die reine Folter für mich. Meine Erwartungen an dieses Buch stiegen von Minute zu Minute und die Aufregung, die mich immer beim Kauf eines neuen Buches erfasst, war kaum auzuhalten. Schließlich lag ich endlich zu Hause auf der Couch und vertiefte mich in die Welt von Christian und Anastasia.

Schon nach den ersten drei Seiten sank meine Stimmung ins Bodenlose und große Enttäuschung machte sich breit. Mir drängte sich der Gedanke auf, das sich ein Teenager seine erotischen Fantasien von der Seele geschrieben hatte, doch ich gab die Hoffnung nicht auf und kämpfte mich tapfer durch die weiteren Kapitel. Schließlich stöhnte ich entsetzt auf, als das Wort „Sandstein“ zum gefühlten Millionsten Mal eine Rolle spielte und legte das Buch genervt zur Seite. Aber die Neugier trieb mich an und erneut griff ich danach, versuchte in die Welt von Anastasia abzutauchen und entwickelte eine heftige Antipathie gegen die Hauptprotagonistin der Buchreihe.
Mein Freund stellte mir die berechtigte Frage warum ich das Buch überhaupt weiterlas, wenn es mir doch so gar nicht gefiel. Ich konnte keine eindeutige Antwort darauf geben. Zum einen hatte ich 13 Euro für das Buch gezahlt, zum anderen gab ich die Hoffnung nicht auf, dass sowohl die Story als auch die Schreibweise der Autorin von Seite zu Seite besser werden würde. Acht Kapitel später war es soweit. Endlich wurde der Stil  flüssiger, leider wurde mir Anastasia weiterhin immer unsympathischer.
Aber mich nahm die Geschichte von Christian gefangen, und natürlich die erotischen Passagen, die in Buch 1 sehr gut ausgearbeitet sind. Ich setzte mich nach der Arbeit in unseren Garten, genoss das Gefühl der Sommersonne auf der Haut und schreckte peinlich berührt auf, als unsere Nachbarin mich ansprach und später Freunde vorbei kamen, immer darauf bedacht bloß niemanden einen Hinweis auf meine Lektüre zu geben. Was mir kläglich missglückte.
Schließlich beendete ich Buch 1, erleichtert es hinter mich gebracht zu haben diesen Roman, der das absolute Must Have im Sommer 2012 darstellte, zu Ende gelesen zu haben. Ich konnte mich tagelang über Anastasia nicht beruhigen, schimpfte auf sie und ihre Handlungsweise. Ich war froh dieses desaströse Kapitel meinr Leseleidenschaft endlich abgeschlossen zu haben, als ich erfuhr das zwei Fortsetzungen erscheinen sollten. Da eine Verfilmung im Raum stand und ich bekanntermaßen ein Film- und Serienjunkie bin, ächzte ich schmerzvoll auf und quälte mich auch noch durch Buch 2 Gefährliche Liebe und Buch 3 Befreite Lust.
Wer die Hoffnung hat, dass die beiden Bücher besser sind als das erste wird mit einer herben Enttäuschung leben müssen. Nicht nur die Handlung ist an den Haaren herbeigezogen und zieht sich wie ein Kaugummi, auch wird an jeder passenden und unpassenden Stelle eine erotische Szene zwischen Christian und seiner Ana eingeschoben, was der flachen Story der Bücher nicht unbedingt gut tut.
Nachdem ich den Epilog, ich hatte das Gefühl das Buch würde niemals enden, des letzten Buches fertig gelesen hatte, wanderte es direkt in mein Bücherregal mit dem Entschluss die Reihe schnellst möglichst weiter zu verkaufen. Für jemanden wie mich, ein absoluter Büchermessi, ein weitreichender Entschluss.

Viele meiner Freundinnen haben die Triologie ebenfalls gelesen und sind total begeistert von den Büchern. Sie können meine Abneigung gegen das „Werk“ von E. L. James nicht verstehen und nachvollziehen.
Natürlich muss man berücksichtigen das die Autorin Shades of Grey zunächst als Fanfiction zur Twilight Saga veröffentlicht hatte. Meiner Meinung nach gehört es auch in diese Sparte, denn von einem Roman, der noch dazu rund 13 EUR pro Buch kostet, erwarte ich eine logische Story und gut herausgearbeitete Charaktere. Aber ganz sicher nicht aneinander gereihte Episoden aus dem kaputten Leben des Christian Grey, der Anastasia bei sich jeder bietenden Gelegenheit die Seele aus dem Leib vögelt und sie züchtigt.
Das einzig positive an der Geschichte ist die Erfindung der inneren Göttin, die Anastasias sexuelle Bedürfnisse wiederspiegelt. Die Passagen der Göttin sind das große Plus der Reihe und immer sehr amüsant zu lesen.

Die Verfilmung des „Pornos der Hausfrau“ 50 Shades of Grey schürt große Erwartungen und ich hoffe die Drehbuchautoren können der bescheidenen Vorlage eine richtig große Story, die dem Hauptplot gerecht wird, entlocken. Für die Rolle des Christian Grey sind Namen wie Ian Somerhalder (Vampire Diaries, Lost), Ryan Gosling (Gegen jede Regel, Mord nach Plan) , Alex Pettyfer (Beastly, Magic Mike) und Matt Bomer (White Collar, Magic Mike) im Gespräch. Die Rolle der Anastasia Steele wird mit den Jungschauspielerin Alexis Bledel (Gilmore Girls, Die Lincoln Verschwörung) , Mila Kunis (Ted, Black Swan) und Emma Watson (Harry Potter) in Verbindung gebracht. Wir dürfen also gespannt sein.

Normalerweise schreibe ich gerne Empfehlungen für welche Zielgruppe sich die Bücher eignen, aber ich bringe es beim besten Willen nicht über mich diese Reihe irgend jemanden weiterzuempfehlen.

[ratings]

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