Ein ereignisreiches Wochende

Bewölkter_HimmelKennt ihr das wenn ihr morgens beim Aufstehen schon merkt, es wäre besser sich die Bettdecke über den Kopf zu ziehen und den Tag vorüber gehen zu lassen? Schlimm sage ich euch, besonders wenn man das Gefühl ein ganzes Wochenende, inklusive Freitag, nicht los wird.

Freitags morgens, mitten in der Nacht, ist unserer Katze wohl langweilig und sie beschließt, die untere Etage unseres Hauses mit ausgewürgten Haarballen und ihrem halben Mitternachtssnack zu verschönern. Ich bin direkt hellwach, mit wirrem Haar sprinte ich die Treppe herunter, weil unsere Hündin nichts Besseres zu tun hat zum Tatort des Verbrechens zu wetzen und die Hinterlassenschaft meiner Katze aufzufressen. Eklig ich weiß, aber sie ist und bleibt nun mal ein Hund. Als der erste Adrenalinkick verebbt und ich unseren Hund mühsam weggeschleift habe, reinige ich gähnend den Teppich und hadere damit, warum Katzen immer darauf kotzen müssen. Egal wie klein so ein Stück Stoff ist und wie viel Fließen und Laminat im Haus verlegt sind, generell wird immer auf den Teppich gespuckt.

Meine Augen verweigern mir den Dienst, schließlich ist noch Nacht und ich ziehe mich am Treppengeländer wieder mühsam nach oben und kuschle mich in mein mittlerweile kaltes Bett. Zufrieden seufzend drehe ich mich zur Seite und bin froh noch zwei Stunden schlafen zu dürfen, da landet ein fauchendes etwas auf meinem Bauch und entlockt mir ein schmerzhaftes Grunzen. Kurze Zeit später gesellt sich der Hund dazu und in unserem Schlafzimmer ist plötzlich eine tierische Party im Gange, an Schlaf ist jetzt nicht mehr zu denken. Abwechselnd schimpfe und fluche ich und bin erleichtert als mein Wecker mich erlöst und ich aufstehen kann.
Ich rette mich vor den Bestien ins Badezimmer und beginne mit meiner Morgentoilette, Haare waschen, Zähne putzen, Duschen.
Im Flur herrscht Krieg, Katze gegen Hund. Unbeeindruckt weiche ich den Krallen und Pfoten aus,  eile ich die Treppe hinunter, greife nach der Hundeleine und mache mit Amy den ersten Spaziergang des Tages. Es nieselt ein wenig und ich denke bis zum Feld und wieder zurück passt das! Kaum dort angekommen fängt es an wie aus Eimern zu regnen und ich sehe aus wie ein begossener Pudel.
Auf der Arbeit wird es nicht besser, ich bin davon überzeugt das Bill Gates mich hasst, die Technik ein Eigenleben hat und das die Kaffeemaschine nicht explodiert ist nur meinem Kollegen zu verdanken.
Ich bin heilfroh als ich Feierabend machen kann und fahre nach Hause, ramme dabei beinahe einen LKW und die Tankleuchte piepst nerv tötend, während sich die Anzeige rasant gen Null bewegt. Kurz überlege ich es drauf ankommen zu lassen, doch ich beschließe an diesem Tag mein Glück nicht herauszufordern und fahre zur Tankstelle.

Natürlich stoße ich mir dem Kopf beim Aussteigen aus dem Auto und bekleckere mich beim Tanken mit Benzin, aber hey, die Tankstelle steht noch. Mit einem erleichterten Uff fahre ich nach Hause und lege mich auf die Couch. Eigentlich wollte ich die Wohnung putzen, traue mich aber nicht und ziehe mir tatsächlich die Decke über den Kopf. Das funktioniert, bis mein Magen laut knurrt und heftig nach etwas essbarem verlangt. Vorsichtig gehe ich in die Küche, stelle den Backofen an und beäuge misstrauisch den Inhalt des Gefrierschrankes. Ich entscheide mich für Baguettes, kontrolliere peinlich genau die Temperatur des Backofens und stelle den Timer. Ich heule fast vor Dankbarkeit, als die Zeitschaltuhr schrillt, die Küche nicht abgefackelt ist und meine Baguettes goldbraun vor sich hin brutzeln. Ich schaffe es mein Essen ohne mich zu verbrennen aus dem Ofen zu nehmen und gehe beschwingten Schrittes zur Couch. Ich öffne die Cola Flasche und stehe augenblicklich unter einer Cola Dusche. Eilig stopfe ich mein Essen in mich rein, nachdem ich die Sauerei weggewischt habe, decke mich zu und warte bis mein Freund nach Hause kommt.

Der Samstag startet gut, beim Einkaufen stolpere ich über keine Rentner und der Einkaufswagen verschlingt mich auch nicht. Vorsichtig optimistisch schwinge ich den Staubwedel zu Hause und werde vom hysterischen Klingeln meines Telefons unterbrochen. Meine Schwester fragt an ob ich mit ihr Getränke einkaufen gehe. Leichtsinnig wie ich an diesem Tag bin sage ich erfreut zu, werfe den Staubwedel in die Ecke und fahre zu meiner Schwester. Das grellrote Leuchten des Schildes wo in großen Lettern LASS ES SEIN steht, ignoriere ich geflissentlich. Und dann, beim Manövrieren meines Autos in dem verflixt engen Hof meiner Schwester, passiert es! Man hört nur noch ein dramatisches knirschen und mein Auto schrammt an der Mauer entlang. Die hintere Tür ist vollkommen verkratzt und meine Schwester ist außer sich, ich ringe mir ein müdes Lächeln ab und beruhige sie.  Sprudelkästen ins Auto, ab in den Laden und wieder zurück.

Endlich bin ich lebend wieder daheim und der Übermut packt mich erneut. Ich greife zu meinem Staubsauger, er und ich haben ein inniges Verhältnis, es ist immerhin schon Gerät Nummer 13. Alles funktioniert, doch die Stehlampe und der Staubsauger scheinen  Eheprobleme zu haben und WUSCH, zerspringt die Lampe in ihre Einzelteile. Ich bin fest entschlossen mich nicht unterkriegen zu lassen und sauge weiter, unfassbarer Weise passiert an diesem Abend sonst nichts mehr, was wohl daran liegt, das ich mir erneut die Decke über den Kopf ziehe.

Sonntag früh klingelt der Wecker erneut mitten in der Nacht, ich wanke ins Badezimmer und richte mich ermattet her damit die Kunden der Zeitung die ich zustelle, nicht vor Schreck die Tür ins Schloss werfen. Die kalte Morgenluft lässt meine Lebensgeister erwachen und ich bin zügig auf meiner Tour unterwegs. Ich begehe den verhängnisvollen Fehler die Tour etwas abzuändern und beliefere eine Straße früher als sonst und stelle mein Auto ab, der Schlüssel steckt. Noch nicht einmal 20 Sekunden bin ich um die Ecke, da höre ich das vertraute Knarzen des Rückwärtsganges meines Autos. Eine Schreckliche Ahnung erfüllt mich und ich renne zurück, nur um zu sehen wie die Rücklichter meines Wagens in der Dämmerung glühen und jemand mit Vollgas und quietschenden Reifen davonfährt. Ich habe das Gefühl einen Alptraum zu durchleben. Mein Freund denkt, ich nehme ihn auf den Arm, als ich ihm mit erstaunlicher Gelassenheit am Handy erzähle dass mein Auto geklaut wurde. Kurz darauf melde ich den Diebstahl der Polizei. Die Freunde und Helfer sind schnell zur Stelle und nehmen meine Aussage auf, fragen mich ständig nach dem Ablauf und müssen sich bestimmt das Lachen verkneifen, als sie hören dass ich den Schlüssel habe stecken lassen. Ich könnte mich selbst ohrfeigen, denn mir ist klar dass keine Versicherung für den Schaden aufkommt. Ich sitze eingequetscht auf der Rückbank des Einsatzfahrzeugs, während die Polizei die nähere Umgebung absucht und mich unverrichteter Dinge nach Hause fährt. Dort angekommen bekomme ich erst einmal einen kurzen Heulkrampf, schließlich ist mein geliebtes Auto verschwunden. Schnell setze ich einen Post in Facebook ab, immerhin wohnen viele Bekannte in der Gegend wo die Tat passiert ist und informiere meine Schwestern. Ich will mein Auto wieder haben!

Schließlich dränge ich Francesco noch einmal zum Tatort zu fahren und mir fallen fast die Augen aus, als ich meinen heißgeliebten Wagen auf dem fünfhundert Meter entfernten Parkplatz stehen sehe. Erneut rufe ich die Polizei an, informiere meine Schwestern sowie die Eltern meines Freundes und warte. Wie im Film werden wir darauf hingewiesen nichts anzufassen. Empört kucke ich mein Handy an.  Hallo? Ich kucke CSI! Endlich sind die Beamten vor Ort und untersuchen das Auto, es ist offen, meine Erleichterung ist grenzenlos. Dann entdecke ich dass der Autoschlüssel fehlt, eine Katastrophe! Haustürschlüssel, Zugangschip für die Arbeit, nicht zu vergessen die schönen Schlüsselbänder, für immer verloren. Mein USB-Stick mit meiner Musik – ebenfalls weg! Aber zumindest sind die Zeitungen noch da. Ich fahre mit meinem Freund seinem Auto nach Hause, stecke den Ersatzschlüssel ein und setze die Tour eiskalt fort, funktioniere nur noch wie auf Autopilot, verteile mechanisch die Zeitungen an die Abonnenten und bin fix und fertig, als wir endlich zu Hause ankommen. Trotz allem wird es noch ein schöner Sonntag, meine Schwestern kommen vorbei, lenken mich ab und lassen den Tag mit einem Lächeln enden. Am Abend falle ich Todmüde ins Bett und auch der Superbowl schafft es nicht mich vom Schlafen abzuhalten. Mein letzter Gedanke I’m alive. 

Quelle des Bildes: Alexa Gr.