Enola Holmes – die etwas andere Detektivin der Holmes Familie

Ich liebe Sherlock Holmes. Schon immer, seit meiner Kindheit, habe ich  jede Verfilmung, die auch nur im entferntesten mit dem berühmten britischen Detektiv zu tun hat, gesehen, die Bücher dazu verschlungen. „Eine Studie in Rot“ war mein erstes englischsprachiges Buch, was ich je gelesen habe. So war es ganz natürlich für mich, dass ich dem 23. September 2020 entgegen fieberte, als bekannt wurde, dass nun die kleine Schwester des Meisterdetektivs in der Verfilmung „Enola Holmes“ ins Rampenlicht rückt. Was soll ich sagen, nachdem ich die etwas mehr als zwei Stunden gebannt vorm Fernseher saß? Ich bin restlos begeistert. Selbstverständlich rührt diese Euphorie auch daher, dass niemand geringerer als Henry Cavill, bekannt als Superman und Geralt of Rivia aus „The Witcher“ den Sherlock Holmes zum Besten gibt, das muss ich an dieser Stelle einfach zugeben 🙂

Wer ist Enola Holmes? Wie der Nachname verrät, steht Enola im verwandschaftlichen Verhältnis zu DEM Meisterdetiktiv schlechthin: Sherlock Holmes. Das wird am Anfang des Films recht schnell klar. Doch Enola ist anders als ihr großer Bruder, sie ist wild, ungezähmt und ermittelt neben einem brillianten Verstand mit einer guten Portion Herz und sehr viel Emotion. Ein wesentlicher Unterschied zu Sherlock, der sich lieber auf seinen nüchternen Verstand, als auf sein Herz verlässt.
Der Film um Enola ist zeitlich an den Anfängen von Sherlocks Ermittlungserfolgen angesiedelt, was in einigen Dialogen herauszuhören ist. Enolas Bruder sorgt mit seinen Ergebnissen bei Ermittlungen für Aufsehen und beginnt sich gerade einen Namen zu machen.
Doch dann verschwindet ausgerechnet in der Nacht zu Elonas sechzehnten Geburtstag  die Mutter der Geschwister und der Spürsinn von Enola und auch Sherlock sind gefragt. Auch Microft setzt all seine Mittel ein, aber nicht um die verschollene Mutter aufzuspüren, sondern Enola, die sich seinen erzieherischen Maßnahmen entzieht.
Auf der Jagd nach der Antwort auf die Frage „Warum hat mich meine Mum verlassen?“ lernt Elona den jungen Lord Viscount Tewksbury kennen und hilft ihm notgedrungen aus der Patsche. Und plötzlich ist die junge Detektiven mittendrin in ihrem ersten Fall. Sie muss sich entscheiden, zwischen dem was sie möchte und dem was sie sich wünscht. Und macht am Ende alles richtig.

Nachdem ich anfänglich echte Schwierigkeiten hatte, Cavill in der Rolle des Meisterdetektivs zu sehen, Benedict Cumberbatch hat dann doch eine etwas andere Interpretation von Holmes vorgelegt, wuchs meine Achtung vor Henry Cavill von Minute zu Minute mehr. Er versteht es Sherlock Holmes eine Tiefe zu verleihen, wie es Cumberbatch niemals geschafft hat. Es sind die ruhigen Seiten des Holmes, die in dieser Verfilmung zum Tragen kommen und auch wenn sowohl Mycroft Holmes und auch Sherlock Holmes eher als Nebenrolle besetzt sind, so sind sie dennoch für den Verlauf der Geschichte äußerst wichtig.
Generell kann ich sagen, dass der Cast sehr hochkarätig besetzt wurde. Helena Bonham Carter als Eudoria Holmes, wie schon erwähnt Henry Cavill als Sherlock Holmes, Frances de la Tour als Tewksbury , Fiona Shaw als strenge Direktorin Miss Harrisson, Burn Gorman als Linthorn, um nur einige der bekannten Gesichter zu nennen. Nicht zu vergessen natürlich die grandiose Millie Bobby Brown, die der Hauptprotagonistin Enola sehr überzeugend Leben einhaucht.

Was macht diesen Film so besonders? Zum einen die Detailtreue. Damit steht und fällt für mich jede gute Verfilmung, die mit Sherlock Holmes in Verbindung steht. Die einzelnen Schauplätze, das „alte“ London, die Kostüme, die alten Herrenhäuser, all das führt dazu, dass man als Fernsehzuschauer förmlich in die Szenen reingesaugt wird. Das Enola sich häufig direkt durch die Kamera an die Zuschauer wendet, fördert das Gefühl tatsächlich und direkt vor Ort zu sein, in höchstem Maße.
Ein Geniestreich, zudem hebt diese Vorgehensweise „Enola Holmes“ ganz bewusst von anderen Verfilmungen ab. Guy Ritchie wandte bei seinen Sherlock Holmes Verfilmungen mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle, ein ganz ähnliches Verfahren an, wenn auch nicht ganz so offensichtlich. Hier wurden die Kinogänger mit einer Vorausschau in die Gedanken von Sherlock mitgenommen, während Enola oftmals TATSÄCHLICH mit den Leuten vorm TV zu sprechen scheint. Anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber als ich mich dran gewöhnt hatte, war es wunderbar.
Mir gefielen besonders die Sequenzen, die in der City of London spielten und das Leben im 19. Jahrhundert zeigen. Für mich, die ihr Herz an diese Stadt verloren hat, war die Umsetzung dessen wunderbar. Ich wusste ganz genau, dass viele dieser Szenen technisch nachbearbeitet wurden, aber ich, die schon an der Baker Street 221B leibhaftig gestanden hat und den Zauber dieser Vergangenen Zeit, in der leicht herunter gekommenen Gegend, mehr als einhundert Jahre später spürte, erlag dem Zauber der so echt wirkenden Illusion vollkommen.
Etwas, dass in vielen Filmen heute leider viel zu kurz kommt, sind die tieferen und fein herausgearbeiteten Beziehungen und Bindungen zwischen den einzelnen Charkateren. Allzu oft wird das, was für mich einen Film wahrhaftig lebendig werden lässt, auf Kosten von bildgewaltigen Actionszenen vernachlässigt, was vielen Filmen zum Verhängnis wird. Gerade das ist bei Enola Holmes nicht passiert, was der Spannung des Films absolut nicht schadet, im Gegenteil. Ich habe mit Enola gelitten, als sie ins Pensionat musste, Mycroft verabscheut, als er seine Macht als Mann gegenüber dem jungen Mädchen mehr als deutlich zeigt und Sherlock auf seine Art eine tiefe Zuneigung zu seiner Schwester pflegt und sie durch kleine Gesten zum Ausdruck bringt. Hier überrascht „Enola Holmes“ als Film einmal mehr und weicht vom Trend der „platten Erzählweise“ der heutigen Zeit zum Glück ab.

Ein absolut gelungener Film, der für mich definitiv auf die große Leinwand gehört hätte, so findet er jedoch auf meiner Favoritenliste der Lieblingsfilme ganz weit vorne einen Platz, denn „Enola Holmes“ habe ich nicht zum letzten Mal gesehen. Das nächste Mal wird jedoch in Originalvertonung sein. Ich habe so eine Ahnung, dass mich der Film dabei noch mehr fesseln wird und mir die Charaktere noch mehr ans Herz wachsen werden.

Für alle die neugierig geworden sind, hier der Trailer zu „Enola Holmes“:

Ich wünsche euch viel Vergnügen beim Eintauchen in die Welt der Enola Holmes.

Eure Alexa

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