Instagram – Nur noch eine Werbeplattform?

Am 24. Juli 2012 lud ich das erste Foto, eine Aufnahme meines dicken Katers Peppino, in Instagram hoch und wurde somit Teil des Instagram-Universums. Ich erinnere mich, dass mich eine Euphorie erfasste und ich stolz darauf war, einer Plattform anzugehören die vornehmlich mit privaten Schnappschüssen aus dem Leben von Freunden, Bekannten und interessanten Menschen gespeist wurde. Dies ist natürlich auch heute noch der Fall, aber nicht mehr in dieser Fülle, denn Instagram hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Der Trend geht weg vom „schnellen“ Schnapschuss und hin zum bis ins kleinste Detail geplante und arrangierte Foto, um den Followern eine perfekte Welt zu präsentieren, die es so gar nicht gibt. Der Himmel muss blauer sein als er tatsächlich ist, die Hüfte schlanker, die Orangenhaut wird wegretuschiert, der Körper wird generell nachbearbeitet, kein Fettpolster darf dort zu sehen sein, wo es nicht hingehört.
Gerade das unperfekte, natürliche und ungekünselte Leben fand ich in der Anfangszeit von Instagram so erfrischend und ja auch spannend. Ich bekam Einblicke in das Leben von „fremden“ Menschen und bemerkte, dass auch die reichen und schönen herrlich normal sind.
Heute sieht das ganz anders aus. Aus dem posten von Fotos und Storys auf Instagram ist ein blühendes Geschäft geworden, in dem der Fokus auf Followerzahlen, blauen Häckchen und Geld gerichtet ist.
Es fängt schon damit an, dass du eine vorgeschriebene Reichweite, sprich Follower, haben musst, um bestimmte Features freigeschaltet zu bekommen. Die begehrte „Swipe-Up“ Funktion zum Beispiel gibt es nur für Instagram-Accounts, die mehr als 10.000 (10K) Follower nachweisen können. Die Funktion ist meiner Meinung nach die wichtigste überhaupt, da sie es möglich macht, einen Link in die Story zu platzieren und die Follower auf eine bestimmte Internetseite zu leiten. Natürlich gibt es die Möglichkeit, die Funktion auch zu nutzen wenn man nicht die erforderlichen Follower vorweisen kann, jedoch deutlich umständlicher.
Möchtest du die „Insights“, also die Interaktionen der Follower auf deine Posts, im Blick haben, wirst du deinen Account auf ein Business-Profil upgraden müssen. Ich habe mir vor kurzem einen Account für „Alexas-Moments“ auf Instagram erstellt, dieser läuft auf dem Business-Upgrade, während mein „privater Account“ auf „privat“ bleiben wird.

Genau hier liegt meiner Meinung nach das Hauptproblem. Du brauchst Follower, bekommst diese aber nur mit viel Mühe auf dein Profil, weil es mittlerweile nahezu unmöglich ist, den Account über Hashtags bekannter zu machen. Instagram und Twitter haben die „Hashtag Hashtag-Bewegung groß gemacht, jedoch läuft bei Instagram mittlerweile die Generierung von Followern nur noch über das Markieren von Personen auf den Fotos, in den Storys oder in den Beiträgen. Früher hieß es „Ein Like für ein Like“ oder ein „You Follow me, i follow you“, doch diese Solidarität hat sich komplett geändert. Du musst kommentieren, kommentieren und nochmal kommentieren, dich über Erwähnungen von Personen mit großer Community zeigen, sonst hast du keine Chance als Neu-Instagrammer deinen Account „Big“ zu machen, um an die begehrten Features dran zu kommen.
Nun stellst du dir die Frage: WILL ICH DAS ÜBERHAUPT?“ In einer Welt, in der Follower und Likes mittlerweile als eigene Währung gelten und der blaue Haken hinter deinem Instagram-Namen die „Black Am-Ex“ der Insta-Welt ist, erfordert es Mut zu sagen „Ich stehe zu mir selbst, bin herrlich unperfekt und spiele nach meinen eigenen Regeln!“ Es ist mühsam und anstrengend, teilweise frustrierend zu sehen wie schnell durch Gewinnspiele, die gezielt durch Unternehmen gesponsort werden, die Followerzahlen nach oben schießen und du selbst noch nicht einmal 100 Follower zählen kannst.

Instagram hat sich von der solidarischen Social-Media-Plattform mit Spaß-Garantie in eine Marketing-Plattform verwandelt, auf der alle möglichen Produkte von Sportbekleidung über Beautyprodukte, Zahnbleaching für zu Hause, spezielle Fitnessdrinks etc. von Influencern, die mehr oder weniger durch Realtiy-Shows bekannt geworden sind, beworben werden. Ab einer bestimmten Followerzahl ist alles möglich und der Hype geht sogar soweit, dass pro abgesetzten Post 15.000 € aufwärts an die Influencer gezahlt werden. Kim Kardashian wird nachgesagt, dass sie umgerechnet knapp 600.000 € pro Bild gezahlt bekommt. Die genaue Summe, welche der Mutter aller Reality-Stars pro Download oder Story in die Kassen gespült wird, ist nicht bekannt. Bei diesen Zahlen wird einem schwindelig und das verführt viele dazu auf den Zug mit dem schnellen Geld aufzuspringen.
Auch ich folge Profilen, die einige Produkte bewerben und ich bin mittlerweile genervt davon. Mir scheint, als leben die Influencer nur noch dafür, ihre Produkte anzupreisen und ihr TATSÄCHLICHES Real Life wird hinter perfekten und bearbeiteten Bildern, Postings, Videos usw. versteckt. Wenn ich sehe, was für ein Equipment dahinter steckt, um DAS eine Foto, DAS eine Video zum Vermarkten von Produkten zu shooten, gehen mir die Augen über. Allein die speziellen Abblender, Beleuchtungen, Kameras, Stative, das alles kenne ich nur aus der Zeit, wo sich allein Fotografen solch eine Ausrüstung leisten konnten. Warum, frage ich mich setzt man nicht auf Natürliches und dem realen Bewerben von Produkten? Steht zu seinen Falten, Augenringen und kleinen Fettpolstern? Statt dessen wird jede Story mit speziellen Filtern überfrachtet, wo sich mir die Frage aufdrängt, warum man nicht zu seinem tatsächlichen Aussehen steht?
Der Druck, der dadurch auf die meist jungen Follower ausgeübt wird, ist unerträglich. Zum einen wird einem das perfekte Leben, das hauptächlich durch die Werbung finanziert wird, schmackhaft gemacht. Zum anderen wünscht man sich als junger Mensch natürlich ebenso schön und perfekt zu sein, wie die vermeindlichen Influencer. Man möchte zu dieser elitären Gruppe von Leuten gehören, die sich meiner Meinung nach eine eigene Sub-Kultur aufgebaut haben.

Ich teile Instagram mittlerweile in verschiedene Gruppen ein, das muss ich zugeben. Da gibt es die Hardcore-Influencer, die wirklich nur Werbung auf ihren Accounts posten, die Reality-TV-Stars, die durch ihren teils zweifelhaften Ruhm in verschiedenen Formaten eine immense Reichweite haben und so in die Werbeschiene abrutschen und diejenigen, die Superstars, die sowas gar nicht nötig haben und ihre Werbung durch einen kurzen Schlenker der Handtasche mit Logo oder das Ettikett des Produktes kurz aufblitzen lassen.

Ich persönlich wünsche mir natürlich sehr viel mehr Reichweite als ich zur Zeit habe, möchte diese aber nicht durch Werbung oder ähnliches erreichen. Mein Ziel ist es, dass sich die Leute für das interessieren, was ich zu sagen/schreiben habe, dass Menschen meine Beiträge sehen und merken, sie liegen mit mir auf einer Wellenlänge. Oder aber sie denken, dass ich interessant genug bin, dass man mir folgt.
Viele, viele schwer zu erreichende Ziele auf einem steinigen Weg der Oberflächlichkeit des Social-Media-Universums. Ich weiß :-). Ich werde nicht aufgeben, bevor ich am Ende des Weges bin und meine Ziele erreicht habe.

Ich würde mir wünschen, dass die Followerzahlen weniger an Bedeutung bekommen, keine eigene Währung mehr in der Social Media Welt darstellen und wieder mehr der Mensch hinter dem Profil in den Vordergrund rückt.

In diesem Sinne, schnell ein Schnappschuss für Instagram machen geh, um was für die Reichweite zu tun.

Eure Alexa

2 Gedanken zu “Instagram – Nur noch eine Werbeplattform?

  1. Hey

    ein wirklich toller Text und ja mir ist das auch schon aufgefallen, das fast nur noch Produkte angeboten werden. Ich hab jetzt das „Glück“ das ich doch meine 149 Follower zählen kann und ich werde regelrecht genervt mit Anfragen, ob ich nicht etwas Geld nebenbei verdienen möchte. Immerhin mache ich ja schon fotos und soweiter und sofort… das nervt mindestens genauso sehr, wie die ganzen Produktwerbungen. ABer hey, man kann den ein oder anderen interessanten Rabattcode abstauben *ironie*

    Ich selber poste immer mal wieder was, wenn ich grad lust habe. Mal täglich mal 2 mal die Woche. Aus dem Leben, ohne irgendwelche Filter…. Ich nehme mein Handy – manchmal meine gute Kamera – und mache Fotos, wie wir lust und laune haben. Geld verdienen als Influencer…. nein darauf habe ich nun wirklich keinen Nerv. Vor allem, wenn ich sehe, wie die das alle machen.

    Es gibt noch Profile, die Werbung machen, da passt es aber zu ihrem „Beruf“. Eine zum Beispiel hat ein Kochbuch rausgebracht und macht auch selber immer wieder Rezepte, veröffentlich die auch auf ihrem Profil. Und wenn sie dann für ne gewisse Gewürzmarke WErbung macht, sie selber benutzt und sowas DAS kann ich verstehen, aber manche bomben einen ja mit einem breitgefächertem Angebot zu, wo man sich fragt, okay und was hast DU jetzt mit diesem PRodukt genau zu tun?!

    Schade, dass sich das so entwickelt hat….

    • Ich habe deinen Beitrag eben erst gesehen. Die letzen beiden Wochen waren bei mir sehr turbulent mal wieder 🙂 Ich gebe dir so recht. Ich sehe das ähnlich wie du, wenn man selbst sowieso das Produkt benutzt und es zu dem Thema passt, kann man das auch bewerben, klar! Ich muss halt oft so lachen, wie viele „Influencer“ mittlerweile dieselbe Sportbekleidung, Beautyprodukte an die Follower bringen möchten, das ist schon blöd. Du folgst jemanden, klickst auf die Story und siehst die Werbung für Beautykram. Du klickst auf die nächste Story und kriegst dasselbe Produkt vor die Nase gehalten. Das nervt langsam wirklich. Finde ich auch schade irgendwo.

      Jaaaa das mit den Followern…..Ich bin da nicht so hintendran, weil ich meistens nur blogge und Social-Media betreibe, wenn die Zeit es gerade zulässt…. Deshalb tröpfeln die Followerzahlen traurig vor sich hin. Aber so ist es nun mal, mein „Real-Life“ geht halt vor.

      Liebe Grüße

      Alexa

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