Auf den Hund gekommen

AmyAls wir im August 2011 nach Italien in Urlaub fuhren, hatten wir noch keine Ahnung von der Wendung, die unser Leben nach drei Wochen Dolce Vita nehmen würde.
Wie jedes Jahr, seitdem mein Vater gestorben ist, geben wir unsere zwei Katzen in eine wunderbare Tierpension und können die drei Wochen Urlaub ohne schlechtes Gewissen genießen. Unsere Samtpfoten fühlen sich wohl in ihrem fünf Sterne Luxushotel, wo sie Stundenlang bespaßt werden und sich nicht ständig an die strengen Regeln ihrer Dosenöffner halten müssen.
Seit langem hege ich den Wunsch wieder eine Hundesbesitzerin zu werden, doch mein Freund weigert sich strikt nachzugeben und ich warte geduldig ab. Den ersten Durchbruch erziele ich mit Marley & ich, dem wunderbar komischen und zum Schluss herzzerreißenden Film über den ungehorsamsten Hund der Welt. Mein Freund kommt ins grübeln, anscheinend ist es gar nicht so übel einen Hund als Haustier zu haben, man ist immer an der frischen Luft und hat einen tierischen Kumpel an seiner Seite. Aber noch ist er nicht bereit nachzugeben und ich gedulde mich mit mühsam weiter. Der nächste Denkanstoß folgt durch einen Zeitungsartikel in der Tageszeitung mit den vier Buchstaben, in dem die Qualen der chinesischen Hunde aufgedeckt werden.
Einige Wochen später liefern wir die Katzen in der Pension ab und fahren gen Süden der Sonne entgegen. Im Urlaub fallen uns immer wieder die Streuner in den Straßen Süditaliens auf, zu scheu um sich von uns anfassen oder gar einfangen zu lassen. Zu schlecht sind ihre bisherigen Erfahrungen mit der Spezies Mensch.
Schließlich endet auch dieser Urlaub, mit Tränen in den Augen verabschieden wir uns von der Famiglia meines Freundes und fahren zurück in unsere Heimat.
Die Wiedersehensfreude in der Tierpension ist groß und ich schließe meinen schnurrenden Kater und meine beleidigte Katze in die Arme.
Die Leiterin der Tierpension erzählt uns von dem Besuch des Hundes ihrer Tochter, einen Mops. Pünktchen, sonst immer auf Krawall gebürstet wenn es um Hunde geht, war dabei erstaunlich gelassen. Mein Freund beteiligt sich plötzlich interessiert an dem Gespräch „Sie meinen es wäre möglich einen Hund und unsere Katzen zu vergesellschaften?“ Mir fällt beinahe unser Kater vom Arm und mein Herzschlag setzt kurz aus. Mir ist bewusst, DAS ist der Moment auf den ich sehnsüchtig gewartet habe.
Die Besitzerin der Pension gibt uns den Tip nach einem Welpen Ausschau zu halten und wenn wir wirkliches Interesse haben, wüsste sie sogar schon jemand, ihre Tochter, die einen Welpen zur Vermittlung freigeben würde. Sie verspricht uns Bilder der Hunde per E-Mail zuzusenden.
Freudestrahlend packen wir unsere Samtpfoten, die noch nichts von dem bellenden Unheil ahnen, das über ihren Köpfen schwebt, in die Transportboxen und fahren nach Hause.
Ungeduldig warte ich auf die Bilder und bin sofort in das kleine, tapsige Hundebaby verliebt, als ich die Mail öffne.
Natürlich gehen wir nur kucken, versprechen mein Freund und ich uns gegenseitig, als wir uns einige Tage sptäter auf den Weg zur Pflegestelle machen. Wir sind zu früh dran, nervös rutschen wir auf unseren Sitzen im Auto herum. Bei einem Blick in den Garten sehe ich das kleine Welpenbaby durch die Welt wackeln. Schließlich ist es Zeit und wir werden herzlich von Mensch und Tier begrüßt.
Amy ist der Name des kleinen Hundemädchens, ihre Schwester Nele  und die Mutter haben schon ein zu Hause gefunden.
Die Pflegmutti ruft das ganze Hunderudel zu sich und plötzlich sind wir umringt von hechelnden, freundlichen und kuscheligen Hunden aller Rassen und Größen. Amy wackelt cool und charmant auf uns zu und schwups, ist es um uns geschehen. Das kleine, freche Gesicht, die Augen aus denen der Schalk nur so blitzt, wir sind verloren.
Die Formalitäten, ein Kontrollbesuch und eine Probe aufs Exempel mit unseren Katzen , sind schnell geklärt, wir fahren wieder heim. Die nächsten Tage vergehen im Schneckentempo, wir fiebern dem Wochenende entgegen und können es kaum erwarten Amy wiederzusehen.
Endlich ist sie da, die Stunde Null. Samstag! Wir haben extra ein Babygitter gekauft, um die Katzen und den Hund bei ihrem ersten Zusammentreffen seperieren zu können. Vollkommen umsonst wie sich herausstellt. Nachdem Pünktchen mit einem Pfotenhieb gleich die Verhältnisse geklärt hat und Peppino sich meckernd und fauchend auf den Kratzbaum verzieht, wackelt Amy erst einmal fröhlich um uns herum und erkundet die Wohnung. Währenddessen werden die Formalitäten erledigt, die Wohnung besichtigt, die Pässe von uns kontrolliert, jede Menge Fragen gestellt und von uns beantwortet. Wir werden für geeignet befunden, einem Hund ein zu Hause zu geben und plötzlich sind wir Hundebesitzer. Amy bleibt trotzdem nur ein paar Stunden auf Probe bei uns und Abends bringen wir sie wieder auf die Pflegestelle.
Unser Herz ist schwer und die Wohnung erscheint uns furchtbar leer, als wir wieder nach Hause kommen. Die uns zugestandene Bedenkzeit benötigen wir nicht mehr. Am nächsten Tag ist klar: Amy gehört von nun an zu unserem Leben. Trotzdem dauert es noch eine ganze Woche, bis wir sie endgültig zu uns nehmen können.
Plötzlich bekommen wir Panik, Hunderatgeber werden gekauft und mir fallen die Augen aus dem Kopf. Was es alles zu beachten gibt! Hektisch kaufen wir die Erstausstattung für unseren Hund. Ein Körbchen mit Kissen, Hundehalsband, mehrere Hundeleinen, Spielzeug, ein Napf für Trinken und Essen, selbstverständlich mit einem Gestell und noch viele weitere Sachen, die einem unverzichtbar erscheinen. Wir lassen ein kleines Vermögen in dem Tierladen unseres Vertrauens und ich wundere mich, wieviel Gedanken man sich heut zu Tage über die richtige Leine oder das Spielzeug macht. Früher warf man einen Tennisball und der Hund hechtete hinterher. Heute heißt es das ist Schädlich für die Zähne!
Regeln werden aufgestellt, die unter keinen Umständen gebrochen werden! Martin Rütter läuft bei uns hoch und runter und die Spannung steigt.
Und dann ist der Tag da an dem Amy endgültig in unser Leben tapst. Ich stelle der Pflegemutti ungefähr eine Million Fragen, bevor wir nach Hause fahren und dem Abenteuer Hund Tür und Herz öffnen.

Knapp zwei Jahre später bereue ich keinen Moment Amy ein zu Hause gegeben zu haben. Natürlich haben wir einige Regeln gebrochen und andere sind dazu gekommen. Einige Schuhe wurden zerkaut und manche Katzenmöbel mussten dran glauben. Aber jede Minute ist es wert! Nichts geht über den Moment wenn ich Nachmittags nach Hause komme und Amy schwanzwedelnd an der Tür bereit steht und mich begrüßt. Sie ist eine dankbare Seele und ich möchte unseren kleinen Wirbelwind nicht mehr missen!

Und unsere Katzen? Nach anfänglichem Gefauche herrscht jetzt eine gegenseitige Akzeptanz zwischen den dreien, es wird zusammen gespielt und ab und zu zusammen gekuschelt, allerdings nur wenn sie sich unbeobachtet glauben.

[ratings]

Quelle des Bildes: Alexa Gr.