Schwarzer Winter von Peter Millar

Cover_Schwarzer_WinterBei mir in der Nähe findet zweimal im Jahr ein riesiger Bücherflohmarkt statt, dessen Erlös einem sozialen Projekt zu Gute kommt. Ich nötigte meinen Freund regelrecht mit mir dorthin zu fahren, denn in der Nähe bedeutete ca. 35 km von unserem Wohnort entfernt. Wir waren recht früh unterwegs und zuckelten durch die Pampa, um zu der Schule, dem Veranstaltungsort des Flohmarkts, zu gelangen. Dort angekommen traf uns beinahe der Schlag. Die Leute strömten mit riesigen Wäschekörben und mit Kartons unter dem Arm zum Schulgebäude und natürlich waren alle Parkplätze in Reichweite schon besetzt. Wir parkten schließlich einen Kilometer entfernt und kamen uns reichlich blöd vor so ohne Karton oder Kiste.
Ich drängte mich in das Gewühl aus gleichgesinnten leswütigen Jägern und überflog die Inhaltsangaben einiger Bücher und blieb bei Peter Millars Schwarzer Winter hängen.

Kalt ist der Winter, kalt und schwarz: Denn die Pest geht um in Oxford 1349, Oxfordshire: Die gesamte Bevölkerung des kleinen Dorfes Nether Ditchford wird von der Pest ausgerottet. Der Ort verschwindet von den Landkarten. Oxford, heute: Der junge Student Daniel Warren und die Journalistin Therry Moon geraten in ein Netz dunkler Intrigen, als sie eine Firma überprüfen, die Millionen in ein Bauprojekt gesteckt hat. Seltsame Todesfälle ereignen sich und werden vertuscht auch von den Behörden. Und dann wird ein Mann mit ungewöhnlichen Symptomen ins Hospital eingeliefert. Er war an Ausgrabungen in der Nähe von Oxford beteiligt, Ausgrabungen, die auf die Ruinen eines Dorfes gestoßen sind: Nether Ditchford …

Ich war sofort begeistert und hielt das Buch fest umklammert, organisierte mir einen Karton und erlag einem regelrechten Kauffrausch.
Vor zwei Wochen war es soweit und ich begann das Buch zu lesen. Der Prolog um die Geschichte des Dorfes Nether Ditchford ist gelungen und gut geschrieben. Die ersten Kapitel des Buches, die im Oxford der heutigen Zeit spielen sind ebenfalls solide, was aber ab dem Zeitpunkt, als die Handlung Fahrt aufnimmt vom Autor zusammengeschrieben wird, ist absoluter Mist. Die beiden Hauptcharaktere Therry und Daniel sind sehr sympathisch, man erfährt aber nichts über ihre Vorgeschichte oder Vorlieben. Der Tod von Daniels bestem Freund fließt in einem Nebensatz mit ein und man muss selbst noch einmal zwei Seiten zurückgehen, um diese Nachricht erst einmal zu verdauen. Hier hätte ich mir gewünscht, das der Autor den Tod von Daniels Freund, Rajiv,  mehr Aufmerksamkeit schenkt und den Handlungsstrang mehr ausschmückt.

Was mir besonders auffiel, ist die sehr negative Beschreibung zur Bebauung der Dörfer vor den Toren Londons oder Oxfords. Der Autor malt die Zukunft der malerischen Dörfer, die dem wuchernden Tumor der Großstadt zum Opfer fallen, mehr als nur schwarz. An diesem Thema wird sich oftmals Seitenlang ergötzt, was mich persönlich sehr gestört hat. Man gewinnt den Eindruck das der Autor ein absoluter Gegner dieser Entwicklung ist und das Buch dazu nutzt, seinem Anliegen Gehör zu verleihen.
Viele Szenen, die ich als Leser zur Nebenhandlung zähle, wurden wortreich umschrieben, was dazu führt, dass die Haupthandlung zum Ende hin ordentlich zusammengepresst wird und viele Fragen beim Leser aufwerfen, warum und weshalb die Charaktere so handeln und leider auch unbeantwortet bleiben. Es werden perverse Foltermethoden beim Mord einiger Personen angedeutet, aber man bekommt keinen Einblick warum der Mörder diese anwendet. Überhaupt ist vom Bösewicht des Buches nicht sehr viel bekannt.
Der Schluss von Schwarzer Winter kam für mich sehr plötzlich, aprubt und mehr als nur unlogisch daher. Ungläubig blätterte ich im Buch und war der festen Überzeugung, dass einige Seiten fehlen!

Auch dieses Buch werde ich nicht weiterempfehlen, aufgrund der großen Lücken und Fragen, die am Ende des Buches offen im Raum stehen.

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Quelle des Bildes: I don’t own this http://ecx.images-amazon.com/images/I/514VGJGNKTL._SL500_AA300_.jpg

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