Nora Roberts – Am dunkelsten Tag

Mein erstes Buch von Nora Roberts las ich mit zarten dreizehn Jahren. „Eine Lady im wilden Westen“ öffnete mir die Augen und mein Herz für den Romance-Bereich der Literatur, bezauberte mich und nahm mich mit auf eine Reise durch Fremde Welten.
Von vielen als „Hausfrauen-Porno“ abwertend in eine Schublade gesteckt, war es für mich eher das Abtauchen in Lebensgeschichten von starken Frauen, die oftmals fremdbestimmt ihren eigenen Lebensweg erst finden mussten. Mehr als zwanzig Jahre später, machte mein Mann mir die Freude und schenkte mir einach so das neueste Werk von Nora Roberts „Am dunkelsten Tag“. Nach nicht mal zwei Kapiteln war mir klar, dass ich meiner Meinung nach, das beste Buch von Nora Roberts in den Händen hielt.

Die veröffentlichen Werke jüngeren Datums, sagten mir nicht mehr ganz so zu, vieles wiederholte sich, ich hatte das Gefühl alles schon mal gelesen zu haben und war oft sehr unzufrieden, wenn ich ein Buch von Nora Roberts beendet hatte. Bis jetzt!

Am dunkelsten Tag ist anders als alles was ich bisher von Nora Roberts gewöhnt bin. Wie immer Brilliant geschrieben , jedoch nicht die klassische Liebesgeschichte eines einzelnen Paares steht im Vordergrund, sondern die Lebenswege vieler, einzelner Personen, die sich miteinander verweben und gemeinsam einen Weg finden mit einer furchtbaren Tragödie zurecht zu kommen. Packend, Düster und mit einer Intensität, die dafür sorgt, dass man als Leser unweigerlich in die menschliche Fratze der Boshaftigkeit und des Wahnsinns blicken muss.

Am 22. Juli 2005 stürmen drei Jugendliche in ein Kaufhaus in Maine und beginnen wahllos um sich zu schießen. Viele unschuldige Menschen verlieren ihr Leben, Familien werden auseinandergerissen und genauso viele kommen mit Verletzungen davon und müssen fortan mit dem Trauma des Erlebten zurecht kommen. Simone Knox, verbringt diesen Tag im Juli mit ihren Freundinnen Tish und Mi im Kino des Einkaufscenters, um ihren Liebeskummer wenigstens einen Moment vergessen zu können. Gerade als ihr das gelingt, kommt ihr Ex-Freund, der Star des Highschool Footballteams mit seiner neuen Freundin in den Kinosaal.
Für Simone eine unerträgliche Situation, doch ihre beiden Freundinnen stehen ihr bei. Während des Films verlässt Simone den Vorführraum und rettet sich selbst und vielen anderen damit das Leben. Denn einer der Amokläufer stürmt das Kino und richtet ein schreckliches Blutbad an. Simone setzt den ersten Notruf ab und sorgt so dafür, dass die Attentäter schneller als gedacht zur Strecke gebracht werden können.
Reed Quartermain erlebt in seiner kurzen Pause, die er dazu nutzt ein Date mit der Verkäuferin vom Kiosk im Einkaufszentrum klar zu machen, diesen Alptraum hautnah mit. Er wird zum Lebensretter eines kleinen Jungen und setzt nach Simone den zweiten Notruf über den Amok-Lauf im Zentrum ab. Sein bester Freund Chaz avanciert zum Helden, da er geistesgegenwärtig die Menschen in seinem Gamerladen im hinteren Raum einsperrt und so deren Leben rettet. Nur um einige Betroffene namentlich zu nennen.
Die Ereignisse haben auf jeden einzelnen der Überlebenden einen Lebensveränderten Einfluss und lässt sie Wege beschreiten, die sie vorher niemals für sich in Betracht gezogen haben.
Jahre später, nach den schrecklichen Ereignissen jenes Julitages kreuzen sich die Wege der Überlebenden auf Schicksalhafte Weise und es stellt sich dabei die Frage, ob es mit dem Tod der drei Amokläufer an jenem Tag im Zentrum tatsächlich vorbei ist.

Soweit mein kurzer Einblick in die Handlung des Buches. Mehr möchte ich nicht verraten, denn das würde das Lesevergnügen definitiv minimieren.

Das Buch ist in der Erzählform geschrieben, so dass man die Gefühle, Emotionen und Handlungen der einzelnen Protagonisten sehr gut nachvollziehen und verstehen kann. Die Charaktere weisen eine erstaunliche Tiefe auf und ich fühlte mit jedem einzelnen Opfer des Amoklaufes mit. Vor allem die psychischen Traumata und der daraus resultierenden Folgen werden von Nora Roberts sehr eindringlich dargestellt. Deshalb sticht „Am dunkelsten Tag“ aus der Masse der von Nora Roberts bisher veröffentlichen Bücher sehr deutlich heraus. Nicht nur die Schreibweise, auch die Vielzahl von Charakteren, die alle eine Hauptrolle inne haben, sind äußerst ungewöhnlich für ein Nora Roberts Buch.
Die Handlung ist beinahe durchgängig auf hohem Niveau, einzig nach ca. Fünfundsiebzig Prozent des Buches gibt es einen kleinen Abfall des Spannungsbogens, der sich zum Ende hin erneut auf hohem Niveau befindet.

Ich persönlich habe das Buch beendet und konnte mich keinem anderen zuwenden, da mich „Am dunkelsten Tag“ noch immer gefesselt hat.

Für mich eines dieser Bücher, die einen nachhaltig beschäftigen und somit von mir mit ruhigen Gewissen weiterempfohlen wird.

In jedem Fall eine absolute Leseempfehlung!

Zur Autorin:

Nora Roberts begann im Jahr 1979 mit dem Schreiben als sie mit ihren Söhnen während eines Blizzards eingeschneit war. Der Roman, den sie damals schrieb wurde 1981 veröffentlicht. Knapp Vierzig Jahre später stehen mehr als 400 Millionen Exemplare ihrer Bücher, die in dreißig Sprachen übersetzt wurden, auf der „Haben-Seite“ und Nora Roberts gilt als eine der erfolgreichsten Romance-Autorinnen weltweit. Eine beispiellose Karriere einer bodenständig wirkenden Frau, die sehr zurückgezogen lebt und regelmäßig Romane veröffentlicht, wie andere jede Woche einen Sonntagskuchen backen. Ihre „Eve Dallas“ – Reihe (Orginaltitel „In Death“) wurde unter ihrem Pseudonym „J.D. Robb“ veröffentlicht und erfreut sich ebenfalls einer großen Fangemeinde.
Einige ihrer Werke wurden verfilmt, wobei ich nicht jede der Filme gelungen fand, die Itensität der Bücher, die Tiefe der Protagonisten ging dabei meiner Meinung nach allzu oft verloren.
Nora Roberts produziert Bestseller wie am Fließband und doch scheint sie ein beschauliches und sehr zurückgezogenes Leben zu führen, ohne Skandale und Allüren, was sie mir sehr sympathisch macht.

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