Und plötzlich ist man von Baby-Experten umzingelt!

Von Babyexperten umgebenEs gibt sie wirklich überall: Die selbst ernannten Experten fürs eigene Kind! An der Supermarktkasse, beim Spaziergang mit dem Hund, im eigenen Bekannten- und Familienkreis oder auf einer Feier! Jeder dieser selbstgerechten Spezies scheint meine Tochter und ihre Bedürfnisse besser zu kennen als ich, obwohl diese Menschen mein Kind das erste Mal zu Gesicht bekommen. Das nenne ich eine reife Leistung! Respekt sag ich da nur!Letzte Woche waren wir auf einer Hochzeit von sehr guten Freunden eingeladen! Der Tag war von A-Z hektisch!
Mein Mann war der Trauzeuge des Bräutigams und hatte somit Pflichten vor und während der Trauung, was für mich bedeutete das ich alles Organisatorische rund ums Baby alleine meistern musste! Also Stress pur!
Ständig stand ich unter Strom, versuchte die Bedürfnisse unserer Tochter zu befriedigen und nebenher noch einen Happen zu essen, als das erste Kommentar eines Gastes auf mich niederprasselte! „Ja haben Sie denn kein Tragetuch dabei, damit können Sie sich das Kind auf den Rücken binden!“ Ich entgegnete freundlich das ich eine Tragehilfe dabei hätte, aber Katharina so noch nicht getragen werden dürfe, da sie mit knapp 3 Monaten zu klein dafür sei. Gleich wurde das nächste Argument ins Feld geschoben „Meine Bekannte trägt ihr Kind nur so“ ein Totschlagargument, ich fühlte mich in die Ecke „Rabenmutter“ gedrängt, lächelte unbestimmt und machte mich aus dem Staub.
Die Jagd auf mich war eröffnet, zumindest konnte man den Eindruck gewinnen, denn als nächstes kam eine Oma auf mich zugewackelt und fragte sehr bestimmt ob sie denn die Kleine mal halten dürfe „Dann können Sie in Ruhe essen“ natürlich ein nett gemeintes Angebot, aber weder Katharina noch ich kannten diese Person vor diesem Tag und da unsere Tochter es liebt neue Orte und Menschen kennen zu lernen, aber das immer schön in den sicheren Armen der Mama, lehnte ich höflich das Angebot mit den Worten „Das ist sehr nett, aber dann wird Katharina alles zusammenbrüllen“ ab.
Diese Äußerung war ein schwerer Fehler, denn jetzt war ich endgültig in Ungnade gefallen. Es war doch nur gut gemeint und überhaupt, man könne ein Kind doch nicht früh genug daran gewöhnen zu fremden Leuten auf den Arm gegeben zu werden. Schließlich muss es doch auch in die KiTa!
Laut und aufdringlich, ich konnte gar nicht anders als zuhören zu MÜSSEN, wurde darüber diskutiert wie schwer das doch alles sei unter einen Hut zu bekommen, der Haushalt, der Beruf und die Familie und man solle über jede Hilfe froh sein! Die Litanei setzte sich endlos fort und ich verließ den Raum.
Ich musste wirklich an mich halten, denn ICH war die Mutter und ICH wusste was diese Feier für eine Anstrengung für unsere Tochter bedeutete. Knapp 30 Leute die lachten und lauthals miteinander sprachen, ein endloses lautes Gesumme. Hinzu kam noch die ungewohnte Umgebung und 1000 neue Eindrücke die ein Baby erst einmal verarbeiten muss.
Da würde ich doch meine Tochter nicht jemand vollkommen fremden in die Arme geben. Wie würde Katharina sich dann fühlen? Der sichere Hafen weit weg, kein beruhigender Herzschlag den sie schon 9 Monate im Bauch gehört hatte, kein typischer Mamageruch, nichts! Ist doch klar das sie dann anfangen würde zu brüllen! NEIN, das würde ich meiner süßen Tochter niemals antun.
An dieser Stelle sei gesagt das Katharina sich vorbildlich verhalten und nicht einmal gebrüllt hat an diesem Tag!

Heute beim Spazieren gehen mit unserem Hund wurde ich ebenfalls von einer Dame angesprochen ob sie denn mal das Kind (ich hatte Katharina in meinem Ergo Baby) ankucken könne! Ich bejahte, schließlich möchte man die Leute ja glücklich machen, da kam dann auch schon ein entsetztes „Ja kriegt sie darin überhaupt Luft?“ Ganz ehrlich, bekäme Katharina keine Luft darin wäre sie schon erstickt und ich glaube die Hersteller von Ergo Baby, Manduca & Co. haben schon bedacht das in ihren Produkten die Luftzufuhr gewährleistet ist! Zumindest ist mir noch nicht zu Ohren gekommen das bei sachgemäßer Anwendung ein Kind in einer Tragehilfe erstickt ist!

Aber der absolute Knüller ist die Frage „Schläft sie schon durch?“ Diese Frage kann ich persönlich mit einem inbrünstigen „JA“ beantworten, und habe dies gefühlte eintausend Mal auch schon gemacht, aber es ist nicht die Regel! Ein Kind von 3 Monaten schläft selten komplett bis zum nächsten Morgen durch und ich bin heilfroh, das wir eine der gesegneten Ausnahmen sind!

Ein beliebtes Kommentar ist auch „Man muss die Kinder auch mal schreien lassen, das gibt kräftige Lungen“ oder „sonst sind sie so verwöhnt“ Ich lasse meine Tochter NICHT schreien, okay wenn ich gerade unter der Dusche eingeseift bin und sie wach wird muss ich sie meckern lassen, aber dann auch nur kurz! Jede Mutter kennt die Turbodusche, da bin ich mir sicher! Aber willentlich würde ich Katharina NIEMALS schreien lassen. Ich kann und vor allem WILL es nicht! Ein Baby denkt noch nicht wie unsereins und schreit aus Berechnung! Warum soll ich ihr den Wunsch von mir herumgetragen zu werden verwehren?
Ich liebe es sie im Arm zu halten oder ihre Körperwärme auf meinem Oberkörper zu spüren wenn ich sie im Ergo Baby rumtrage. Es gibt mir ein gutes Gefühl wenn sie ihren Kopf an meine Brust kuschelt, meinem Herschlag lauscht und sie dabei einschläft, was ist daran verkehrt? Warum verwöhne ich damit mein Kind? Diese Ansicht geht mir einfach nicht in den Kopf!

Ich finde es unglaublich wie sehr man sich als Mutter bewerten und teilweise herabsetzen lassen muss. Am schlimmsten ist das Absprechen jeder Kompetenz wenn es um das eigene Kind geht. Jeder möchte wissen was am Besten für das Baby ist und das finde ich, besonders von vollkommen fremden Personen, mehr als anmaßend.
Ich habe ein sehr zufriedenes und ausgeglichenes Baby das viel lacht und vor sich hin brabbelt, so viel kann ich dann ja wohl nicht falsch machen, oder?

An alle selbsternannten Experten da draußen: Haltet einfach mal eure Meinung bei euch und kehrt vor eurer Tür! Dann hat jeder seinen Frieden!

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