Reisebericht Teil 1

Relativ früh im Jahr war uns klar, dass wir nach drei Jahren coronabedingter Italien- und somit auch Familienpause, wieder in das Heimatland meines Mannes reisen werden. Es war alles so schön geplant. Im ersten Halbjahr sollten die dringend notwendigen Renovierungsarbeiten am Haus durchgeführt werden, so dass wir ruhig und gelassen im zweiten Halbjahr unseren Jahresurlaub von 3 Wochen antreten können und Zeit mit unseren liebsten Verwandten verbringen dürfen. Was soll ich sagen? Es kam wirklich alles anders und ganz ehrlich? Es war trotzdem ein traumhafter Urlaub.

Die Reisevorbereitung:

Ein Urlaub beginnt nicht erst mit der Ankunft am Urlaubsort, sondern schon eine Weile vorher. Es muss geplant werden wo die Tiere unterkommen, wer sich um Haus und Hof während der Abwesenheit kümmert, welche Kleidung  mitgenommen wird, die Verpflegung während der Reise (besonders wichtig bei uns, da wir mit dem Auto gefahren sind). Diese Planung fand bei uns sehr kurzfristig in der Woche, in der wir abfuhren statt. Warum? Weil wir vorher noch die Handwerker im Haus hatten. Nicht nur unsere Küche wurde kurz vor knapp eingebaut, sondern auch noch die letzten Fenster, die bei der ersten Einbauphase noch gefehlt hatten.

Ihr könnt euch vorstellen, es waren sehr stressige letzte Tage vor dem Urlaub. Zudem bekam ich 4 Tage vor Abfahrt von unserer Hundepension mitgeteilt, dass diese mitten in der Zeit wo unsere Amy bei ihr Gast wäre, ins Krankenhaus müsse. Ich war not amused, hätte mir diese Information schon viel früher mitgeteilt werden müssen, dann hätte ich noch eine Chance gehabt Amy anderweitig unterzubringen. Doch so kurz vor der Abfahrt, mitten in der Hauptsaison, keine Chance. Nicht das ich es nicht versucht hätte! Nach einigem Hin und Her wurde die Vereinbarung getroffen, unsere Hündin trotzdem dort in Obhut zu geben, schließlich gab es laut eigener Aussage genug Helfer. Eine Entscheidung, die ich im Nachhinein sehr bereue. Aber dazu später mehr.

Nach diesem Schrecken und einem unguten Gefühl im Bauch trieben wir die Reisevorbereitungen weiter an. Wir BRAUCHTEN diesen Urlaub. Nicht nur wegen dem Renovierungsstress der hinter uns lag. Die Pandemie, die Coronaerkrankung und nicht zuletzt die Sehnsucht nach den Verwandten forderten ihren Tribut.

So überlegten wir was wir an Kleidung, Beschäftigung für unsere Tochter und all die kleinen Dinge, die einen Urlaub zum Urlaub machen, mitnehmen. Ich putzte das Haus vom Keller bis zum Dach, weil ich nach den drei Wochen in ein sauberes zu Hause kommen wollte.

Es war auch zu überlegen, wie wir den Aufenthalt in Italien organisieren sollten. Die Ferienwohnung war nur die erste und die dritte Woche unseres Urlaubes für uns frei, für mich kein Weltuntergang, so kam ich in den Genuss, in den Bergen urlauben zu dürfen. Trotzdem war es aufregend, denn die Ungewissheit wie, wann und wo wir “umziehen” würden, machte den Urlaub zu einem “Überraschungsei”.

Schließlich gab ich Amy zwei Tage vor unserer Abreise, es hatte sich leider nur so organisieren lassen, in die Obhut der Pension. Alles schien mit Amy okay zu sein. Die Übergabe erfolgte Problemlos und ich bekam einen Tag später die Information alles sei in Ordnung, die Eingewöhnung verlief zufriedenstellend.

Alles im Kofferraum, es kann losgehen

Am Tag vor der Abreise packten wir unsere Koffer, eine Zerreißprobe zwischen mir und meinem Mann. Und endlich, endlich wurde die Reise immer realistischer. Ich konnte es nicht glauben, dass wir tatsächlich nach Italien fahren würden. Nach drei Jahren nur zu Hause fühlte sich das alles sehr unwirklich an.

Schließlich kam der letzte Schultag und es waren trotz vorheriger Vorbereitung noch so viele Dinge zu erledigen. Ich gab unsere Katze Cookie in die Katzenpension, erwartungsgemäß fand sie das überhaupt nicht toll und war schwer genervt. Das Reiseproviant musste eingekauft werden, Mitbringsel für die Familie in Italien in Form von Wurst und anderen Dingen besorgt werden. Mein Mann packte das Auto, ich wuselte noch durchs Haus und legte letzte Hand an. Schließlich kam unsere Tochter von der Schule, wir aßen noch eine Kleinigkeit und nachdem wir uns alle noch den Schweiß der letzten Reisevorbereitungen abgewaschen hatten fuhren wir tatsächlich los.

Die Reise:

Die Reise verlief zu Beginn erstaunlich Problemlos. Wir hatten Katharina Vomax gegen ihre Reisekrankheit verabreicht, so dass sie von dem Beginn der Fahrt recht wenig mitbekam. Das Medikament macht sehr müde und sie schlief sehr schnell ein. Wir fuhren Kilometer um Kilometer und erreichten zügig die erste Mautstelle in Frankreich. Durch die ADAC Mautbox (unbezahlte Werbung), die wir uns im Vorfeld bestellt hatten, kamen wir nicht nur in Frankreich, sondern an jeder der anderen Mautstellen extrem schnell durch.

Bis zur Schweiz lief alles bestens, dann kamen wir an den Gotthardtunnel. Schon lange vorher wurde in den Nachrichten gemeldet, dass der Tunnel in Richtung Süden komplett gesperrt sei, man sollte über den Pass oder vorher abfahren und über Göschenen fahren. Wir entschlossen uns vorher abzufahren, wurden aber direkt wieder in den Stau umgeleitet, da auf der Umgehungsstrecke ein Unfall passiert war. Die Umleitung führte uns zumindest ein Stück am Stau vorbei und war landschaftlich sehr reizvoll. Hier jedoch waren die ersten Anzeichen des Klimawandels mehr als nur ein wenig vor Augen geführt. Die Flüsse, die sonst viel Wasser führten, waren zu Bächen geschrumpft, was man sehr deutlich an den Uferläufen sehen konnte. Ich wurde sehr nachdenklich. Vor einigen Jahren gab es auch noch Schnee auf den Bergspitzen zu sehen, jetzt war da nur eine nackte, graue Felswand, die hoch in den Himmel ragte.

Stau am Gotthard-Tunnel

Wir entschieden uns nicht den Pass zu fahren, eine richtige Entscheidung, denn auch diese Strecke musste wegen einem Pannenfahrzeug gesperrt werden. Insgesamt verloren wir drei Stunden am Gotthard Tunnel und wir waren mehr als erleichtert, als wir in den Tunnel rein fuhren und ca. 30 Min später auf der anderen Seite wieder rauskamen. An diesem Punkt, fanden wir, hatten wir uns eine Pause verdient.

Dann klingelte mein Telefon und für mich waren die folgenden Stunden und Tage sehr, sehr schwer und an Urlaubsstimmung war erst mal nicht mehr zu denken. Die Tierpension von Amy war am Apparat. Amy würde sich nur übergeben, ihr ginge es nicht gut, wo wir denn wären. Mir war, als fiele ich in ein Loch. Ich hatte sowieso schon Bauchschmerzen wegen Amy gehabt. Sie ist 11 Jahre alt und Nierenkrank. Meine schlimmsten Befürchtungen schienen tatsächlich wahr zu werden. Ich fragte nach der Futtermenge, ich hatte genau die Futtergewohnheiten und -zeiten aufgeschrieben. Es wurde bejaht, das alles beachtet worden wäre. Im Verlauf des Gesprächs kam heraus, das sie wohl Gras gefressen hatte, etwas, das ich immer unterbinde, da Amy das einfach nicht erträgt. Ich erwähnte dies und versuchte die Dame der Pension zu beruhigen, wobei mir später klar wurde, das sie mich hätte beruhigen müssen. Normalerweise legt sich die Auffuhr in Amys Magen von selbst. Ich gab aber mein Okay, wenn es schlimmer oder nicht besser würde mit ihr zum Arzt zu gehen. Zudem drängte sich mir der Verdacht auf, dass es der Dame lieber gewesen wäre, wir hätten unsere Reise abgebrochen und hätten Amy in Empfang genommen. Auf die Frage ob ich meine Notfallkontakte vor Ort aktivieren sollte, damit einer von ihnen Amy abholen kommt, wurde vehement verneint. Auch hier hätte ich auf mein Bauchgefühl hören sollen, ich tat es aber nicht und beließ Amy in der Pension.

Die Stimmung war dahin. Meine Vorfreude auf den Urlaub war weg und ich musste weinen, natürlich. Meine Angst Amy könnte allein in der Pension sterben, war zum greifen Nahe und die Tränen tropften auf der Weiterfahrt ungehindert aus meinen Augen. Ich musste mich schwer zusammenreißen, damit unsere Tochter meine Bedenken und Ängste nicht spürte. Der Rest der Fahrt bis zu unserem Hotel in der Toskana war für mich grausam und endlos. Die Sorge um Amy verleidete mir das Abenteuer Urlaub 2022. Am liebsten wäre ich tatsächlich umgedreht. Ich glaube, wären wir nicht schon durch den Gotthard-Tunnel durch gewesen, hätten wir das auch gemacht, doch es war zu spät. Ich konnte mir die Übelkeit von Amy nicht erklären, sie war fit gewesen, als ich sie übergab.

Il Grifo Hotel in der Toskana

Um zwei Uhr früh kamen wir im Hotel “Il Grifo” (unbezahlte Werbung) an. Müde, erschöpft und einfach nur froh unseren Zwischenstop erreicht zu haben, schleppten wir uns an die Rezeption und checkten ein. Das Personal ist sehr freundlich, die Zimmer schon in die Jahre gekommen, aber sauber. Was mir sehr gefallen hat, war das Gratiswasser, das für uns bereit stand. Das Frühstück am nächsten Morgen wurde in einem intimen Speisesaal, mit Ausblick auf die mediterane Toskana, eingenommen. Das Personal war sehr aufmerksam ohne aufdringlich zu sein, sehr nett und fröhlich. Alles verlief vollkommen Problemlos und sollten wir nocheinmal mit dem Auto verreisen, werden wir hier in jedem Fall einen Zwischenhalt einlegen. Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmte ebenfalls auf ganzer Linie.

Ich bekam die Nachricht, das es Amy nicht besser ginge und sie dem Tierarzt vorgestellt würde. Vier Stunden später kam dann der erlösende Anruf, es wäre alles wieder okay, ein Mittel wäre gespritzt worden und es ginge ihr wieder gut. Hm. Okay. Ich fragte nach den Kosten, ich wollte sie direkt überweisen, aber die Rechnung lag noch nicht vor. In meiner Erleichterung darüber machte ich mir darüber zunächst keine Gedanken. Amy ging es gut, das war die Hauptsache.

Endlich konnte ich mich wieder auf das Abenteuer Urlaub einlassen, eine Last fiel mir von den Schultern, Amy würde leben und überleben. Das letzte bisschen Unwohlsein versuchte ich zu ignorieren. Die Situation hinterlässt bei mir im Nachgang einen faden Beigeschmack, aber das sollte in Bezug auf Amy noch nicht alles sein.

Die letzten 100 Kilometer zogen sich endlos für uns. Vor allem, da die Italiener Radarkontrollen für sich entdeckt haben. So wechselten auf den letzten Kilometern ständig die Geschwindigkeitsbegrenzungen. 50, 30, 70, 50, 30….und du wusstest genau, irgendwo steht da ein Blitzer. Du hattest keine Wahl und musstest diese irrwitzigen Geschwindigkeitsbegrenzungen einhalten. Der absolute Wahnsinn und extrem anstrengend.

Und dann endlich, 10 Stunden nach Aufbruch in der Toskana, waren wir am Zielort, in Amantea Italien angekommen. Ich konnte es nicht fassen endlich, endlich nach drei Jahren und sehr viel Sehnsucht an diesem schönen Fleck der Erde angekommen zu sein. Es fühlte sich dieses Jahr für mich so an, als käme ich nach Hause. Ich war zu Hause!

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