Review James Bond – Keine Zeit zu sterben

„Kann ich bitte noch einen schönen Abend haben, bevor die Welt explodiert?“ („Q“ zu James und Moneypenny, James Bond – keine Zeit zu sterben)

Der Start des finalen James Bond mit Daniel Craig war für April 2020 festgesetzt, dann kam Corona und es sollte letztlich Achtzehn lange Monate dauern, bis „Keine Zeit zu sterben“ in den Kinos dieser Welt anlaufen sollte.

– Der Artikel enthält Spoiler, wer den Film ohne weitere Informationen ansehen möchte, bitte nicht weiterlesen! –

Normalerweise gehe ich bei Blockbustern mit Charakter von James Bond immer am Premierenwochenende ins Kino. Dieses Mal war es jedoch anders, da wir am Wochenende des Kinostarts von „Keine Zeit zu sterben“ mit mehr als einer Woche Verspätung das Kinderzimmer komplett renoviert haben. Grund hierfür waren Coronabedingte Lieferverzögerungen des Hochbettes, welches unsere Tochter haben wollte. So kamen wir erst das vergangene Wochenende dazu uns Einhundertvierundsechzig Minuten James Bond gönnen zu können.

Allein die Tatsache wieder in einem Kino sitzen zu können war schon aufregend, als die Beleuchtung gedimmt wurde und der Titelsong „No time to die“ gesungen von Billie Eilish, in den Boxen dröhnte, war das obligatorische James Bond Feeling direkt da.
Der Film begann und sofort ist man in der Story gefangen. Worum gehts in „Keine Zeit zu sterben?“

Wir lernen eine neue Seite von James Bond kennen, die private, verletztliche Seite des Agenten, die in den vorangegangenen Filmen zwar immer wieder hervorblitzte, jedoch nie wirklich thematisiert wurde. Das wird in dem letzten Film der Ära Daniel Craig definitiv und in voller Länge ausgereizt.

James ist ausgestiegen aus dem Business und genießt seine freie Zeit mit der Psychologin Madeleine Swann, die sein Herz erobert hat, bis auf einen kleinen Teil der noch immer Vesper gehört. Am Grab seiner einstigen großen Liebe entgeht James nur knapp einem Attentat durch die geheime Organisation „Spectre“. Alles deutet darauf hin, dass Madeleine James verraten hat und mit seinen Feinden im Bunde ist. Er trennt sich von ihr.

Nun wird man direkt mit einer Neuerung im James Bond Universum konfrontriert. Ein Zeitsprung von Fünf Jahren katapultiert den Zuschauer auf eine karibische Insel, auf der sich James zurückgezogen hat und sein Rentnerdasein genießt. Es wird jedoch schnell klar, dass er niemals ganz das Agentenleben abschütteln kann, immer auf der Hut, darauf bedacht bedeckt und unerkannt zu bleiben, niemandem zu vertrauen. Ein einsames Leben und doch ein weiser Entschluss.
Dennoch gelingt es dem amerikanischen Geheimdienst James Bond aufzuspüren und ihn um Hilfe zu bitten. Felix Leiter bittet seinen alten Freund um einen letzten gemeinsamen Einsatz. Bond lehnt zunächst ab. Erst als auch der britische Geheimdienst in Form eines neuen 007 an seine Tür klopft, entschließt er sich mit Felix ein letztes Mal auf Mission zu gehen. Und das Spiel beginnt.

Ich finde die schauspielerische Leistung von Daniel Craig in „Keine Zeit zu sterben“ grandios. Er zeigt die Zerissenheit von James ganz deutlich, auch wie kaputt der Typ tatsächlich ist, da er nicht einmal der Liebe einer Frau gänzlich vertrauen kann. Auch die Unbeholfenheit mit der kleinen „Mathilde“ zeigen, dass er sich Zeit seines Lebens mit dem Agentenleben befasste, nie jedoch mit seinem Privatleben oder gar einer Familie. Im Verlauf des Filmes wird einem bewusst, dass Mathilde James Bonds Tochter ist, ein weiteres Novum. Ebenso, dass die Nachfolgerin Bonds auf der Nummer 007 plötzlich eine Agentin und nicht ein Agent ist.

Es gleicht einer „Abarbeitung“ der Vorgaben, damit der Film nicht als feindselig gegenüber einer Personengruppe abgestempelt wird. In einer Sequenz nach der anderen wird die Checkliste dazu abgearbeitet und genau da fängt für mich das „Problem“ mit „Keine Zeit zu sterben“ an. Dass „Q“ sich schließlich als Homosexuell outet, ist dann keine Überraschung mehr. Die Filmemacher sind so bemüht, alle Diversitäten im Film unterzubringen, so dass der Fokus der eigentlichen Handlung komplett verloren geht, die Tiefe der Charaktere abhanden kommt und das finde ich sehr, sehr schade.

– Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass mir vollkommen egal ist, wie die sexuelle Orientierung meiner Mitmenschen ist, oder welche Nationalität sie haben. So lange meine Mitmenschen nett zu mir sind, bin ich nett zu ihnen. –

Ich finde die Diskussion um Diversität und die Gleichberechtigung aller sehr wichtig, es ist löblich, dass auch die Filmindustrie sich diesem Thema nicht verschließt, aber wenn der Filmkontext darunter leidet, hat man definitiv etwas falsch gemacht. Und genau das ist bei diesem James Bond leider passiert.
Ich fand es immer bewundernswert, wie sich der rote Faden von Bondfilm zu Bondfilm unbeirrt durchgezogen hat, im jetzt letzten Bond-Film mit Daniel Craig vermisste ich die logische Abfolge teilweise komplett.
Auch das typische Flair eines James Bond Films, das Britische, fehlte nahezu komplett. Moneypenny, „Q“ und „M“ hatten sehr wenig Screentime und allgemein spielte „Keine Zeit zu sterben“ kaum im Vereinigten Königreich, weshalb auch nicht wirklich der Charme des Britischen Agenten zum Tragen kommt.
Manche Special Effects waren so überladen, dass ich dachte, ich sitze vor einer Spielekonsole aus den Neunzigern. Der Stunt mit dem Motorrad, zu Beginn des Films, haben wir so ähnlich schon in „Skyfall“ gesehen, nur sehr viel besser umgesetzt. Was mich persönlich nervte, war der Toneffekt wenn James Bond von Granaten und Bomben durch die Luft geschleudert wurde. Ich glaube wir wissen alle, dass das verdammt laut ist und es normal ist, dass einem dann erst einmal die Ohren klingeln. Deshalb muss ich das nicht Minutenlang als Zuschauer ertragen müssen. Realtität in Action Filmen in allen Ehren, aber bitte nicht übertreiben.
Für mich sind die Special Effects die Besten, die man kaum wahr nimmt und man wirklich denkt, dass ist so passiert. Davon gab es leider ziemlich wenig bei diesem James Bond.
Kommen wir zum finalen Kampf zwischen dem Bösewicht „Safin“ und James Bond! Ehrensache, dass Safin den Agenten auf sein Spielfeld, eine Insel mit ehemaliger russischer Rüstungsanlage, lockt, in dem er Madeleine mit Tochter Matilde gefangen hält und mit ihnen perfide Psychospielchen veranstaltet.

James kommt in Begleitung der neuen 007 und kämpft sich heldenhaft durch ganze Scharen von bewaffneten Soldaten, die Safin treu ergeben sind. Hier kommt das Ausmaß von Safins Größenwahn ans Licht, denn er hat sich die mächtige Biowaffe, die im „Projekt Heracles“ geschaffen wurde, angeeignet und mit einem wahnsinnigen Wissenschaftler zur ultimativen Waffe gegen jeden einzelnen Menschen weiterentwickelt. Mit der DNS eines einzelnen Menschen könnten so ganze Generationen von Familien auf einen Schlag vernichtet werden.
Die Biowaffe an sich spielt übrigens eine untergeordnete Rolle in „Keine Zeit zu sterben“ Sie ist nur der Platzhalter, damit James Bond den Weg zu dieser Insel findet, denn Madeleine teilt ein finsteres Geheimnis, welches sie unabänderlich mit Safin verbindet und James Bond letztlich das Leben kosten wird.
Rami Malek verkörpert für mich den ultimativen Bösewicht, dunkel, geheimnisvoll, auf suptile Art und Weise das ultimative Böse. Er spielt Safin perfekt! Stand James Bond früher für direkt ausgetragene und Minutenlange Kämpfe, mit Fäusten und Pistolen, wird man diesmal so richtig enttäuscht. Bösewicht und Held kommen noch nicht mal auf gesammelte fünf Minuten Showdown, was mich maßlos enttäuscht hat. Kaum sind sie im finalen Kampf, ist er schon vorbei.
Auch hier ist der Fokus ein anderer, konzentriert sich auf das Ende von Daniel Craig als James Bond. Das ultimative Ende kommt leider unfreiwillig komisch um die Ecke spaziert. Nach einem wirklich herzzerreißenden Telefonat mit Madeleine zischen die Raketen heran, die alles zerstören werden was Safin erschaffen hat. Bond selbst steht geschlagen und doch mannhaft aufrecht, sieht die Raketen auf sich zurasen und reckt das Kinn, bereit dem Tod gegenüber zu treten. Mir selbst standen die Tränen in den Augen, doch dann bemerkte ich ein Detail, etwas das mich ungläubig schnauben ließ und mich die Hände vor den Mund schlagen ließ, um nicht laut loslachen zu müssen. Das von Matilde verlorene Kuscheltier weißt James im Verlauf seines Herumirrens den Weg zu einer Plattform und findet bei seinem Ende einen Platz unter dem Gurt seines Pistolenholsters. Da steht er, der coole Superagent, blickt dem Tod ins Auge und an seiner Seite hängt ein schmutzig-rosanes Plüschtier hinab. Das geht nicht, das geht gar nicht, no, no, no! So darf ein James Bond nicht sterben!!!!!! Doch genau das tut er! Er fliegt mit der ganzen Anlage in die Luft! ich sitze in meinem Kinosessel und blicke ungläubig auf die Leinwand. Das haben sie nicht wirklich so gedreht, bitte nicht! Innerhalb einer halben Sekunde wurde gerade eine ganze Legende komplett zerstört, vom Mega Agenten zum Supersoftie herabgestuft.

Der Film endet, indem Madeleine ihrer Tochter die Lebensgeschichte von James Bond erzählt, mit der typischen Einleitung die Märchen zu eigen sind.
Und dann sind Fünfzehn Jahre Daniel Craig als James Bond vorbei! Einfach so, mit einem für mich nicht gut umgesetzten Ende dieser Ära. Ich hätte mir für Daniel Craig ein absolutes Denkmal in der Reihe der Bond-Filme gewünscht, aber leider ist „Keine Zeit zu sterben“ dafür nicht geeignet! Es war ein guter Actionfilm, eine grandiose Leistung von Daniel Craig, ihm absolut würdig, aber nicht würdig als Abschied von James Bond.

Was hätte meiner Meinung nach anders laufen müssen? Definitiv der Fokus. Man hätte sich darauf konzentrieren müssen, was einen Bond-Film ausmacht: Einen guten Bösewicht (der mit Rami Malek perfekt besetzt war), mehr Screentime für die Nebenfiguren wie Moneypenny, „Q“ und „M“. Viel zu oft verkennt man die Anziehungskraft der Nebenfiguren, die definitiv einen guten Bond-Film von einem schlechten unterscheiden.
Die Agentin Paloma in Cuba, die großartig gespielt wurde von Ana de Armas hätte viel viel mehr in Szene gesetzt werden müssen. Die Chemie zwischen ihr und Craig ließ die Leinwand knistern und viel zu schnell wurde dieses Gespann wieder getrennt und jeder ging seiner Wege. Von den beiden hätte ich gerne sehr viel mehr gesehen.
Die Besetzung der Nomi als neue 007 ist meiner Meinung nach eine absolute Fehlbesetzung. Die Interpretation einer Agentin sieht bei mir vollkommen anders aus. Zu burschikos, zu reizlos. Hey, wir sind Frauen! Wir haben Finesse, Ausstrahlung und Sexappael! Warum nicht damit spielen? Das macht doch einen Agenten aus. Täuschen, locken, verführen! Das wollte ich sehen und nicht eine Frau, die krampfhaft versucht ihren „Mann“ zu stehen. Ganz ganz schlimm diese Darstellung. Da hätte man viel mehr aus der Rolle rauskitzeln können.
Last but not least die komplette Storyline. Um was geht es sonst bei James Bond? Ein Bösewicht versucht die Weltherrschaft, mit einer gestohlenen oder selbst entwickelten Waffe an sich zu reißen, Die Geheimdienste, allen voran der MI6 mit seinen 00-Agenten, versuchen dies zu vereiteln. Auf dem Weg zum Sieg „Gut gegen Böse“ fallen reihenweise Schüsse, gehen Autos in einem Feuerball auf und Explosionen terrorisieren unser Trommelfell, natürlich mit viel britischem Stil. Frauen seufzen James Bond hinterher und geben sich ihm hin, oder auch nicht und die lockeren Sprüche des Agenten sorgen für den nötigen Sinn für Humor.
Der Ansatz war da, aber der Regisseur verlagerte die Haupthandlung auf James Bond und sein Privatleben, die eigentliche Story, die Vernichtung von Heracles, wurde zur Nebenhandlung degradiert, ein folgenschwerer Fehler. Darum geht es schließlich im Agentenleben, nationale Bedrohungen zu elimnieren. Das Privatleben eines Agenten steht hintenan und so wäre es richtig gewesen diesen Handlungsstrang genauso in den Film einfließen zu lassen, als Nebengeschehen. Das wäre ein wahres Feuerwerk an James Bond Momenten gewesen!
Ich hätte den Tod von James Bond ganz anders inszeniert, viel tragischer und gefühlvoller, ernster. Beim Wiedersehen mit Madelaine, unwissend, das er der Todbringende für seine Tochter, seine Frau und letztlich sich selbst ist. Agenten leben und sterben einsam, ein Grundsatz den man im Filmgenre niemals vernachlässigen sollte.

Alles „hätte, wäre, wenn“ nützt nichts, der Film wurde so gedreht, das Ende ist festgeschrieben und es stellt sich nun die Frage: Wer übernimmt den Staffelstab von Daniel Craig und folgt ihm als 007 – James Bond? Meine Wahl würde entweder auf Tom Hiddelston, allen bekannt als Loki in „The Avangers“, oder auf Henry Cavill, bekannt aus „Superman“ und „The Witcher“, fallen.

Egal wer als James Bond zukünftig die Lizenz zum Töten von Daniel Craig übernimmt, so hoffe ich gleichzeitig auf einen Regisseur, der nicht nur drauf erpicht ist seine Vision von James Bond umzusetzen und dabei das aus den Augen verliert, was diese Filme ausmachen! Es wird spannend und es wird bis zur Bekanntgabe des neuen Bonds viel spekuliert werden!

Mein Fazit: Nach „Keine Zeit zu sterben“ kann es nur besser werden!

Eure Alexa

Dieser Beitrag wurde unter Movies & Series abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Review James Bond – Keine Zeit zu sterben

  1. Hallo Alexa,

    ich gehe fest davon aus, dass Nomi die nächste 007 sein wird. Wie lange, werden wir sehen.

    Mir hat gerade diese private Seite sehr gefallen. Schon die vielen Anspielungen auf frühere Bond-Filme fand ich grandios (gleich am Anfang kommt ja schon „we have all the time in the world). Die frühen Bond-Filme haben die Damen lediglich als schmachtende Wesen gezeichnet; das wurde in den letzten Filmen besser.

    Die Diversität der Nebendarsteller*innen hat aus meiner Sicht nur das gezeigt, was Judy Dench als M schon Pierce Brosnan entgegen schleuderte: „Sie sind ein Relikt des Kalten Krieges“.

    Das zeigte sich in diesem Film mehrfach. „Nach was tauchen Sie?“ – „Alten Wracks“.

    Und dann die Welt sich verändert, wurde immer wieder deutlich — wie genial, dass Nomi als erstes ihre Perücke abnimmt und Bond süffisant resümieren muss, dass er gedacht hätte, etwas anders würde zuerst fallen.

    Sogar die Kritik an Craig als Nachfolger von Pierce Brosnan wurde aufgenommen: Damals wurde ja bemängelt, ein Bond könne keine blauen Augen haben. Und schwupps, wird das nochmal mit Mathilde thematisiert 🙂

    Schon immer war ein wenig Selbstironie in den Bonds, so auch bei George Lazenby, der feststellen musste, als eine Frau weglief statt sich ihm in die Arme zu schmeißen: „Das wäre dem anderen nie passiert.“

    Ich fand den Film alles in allem ein sehr niveauvolles Ende einer langen Bond-Ära. Es war eine Hommage, und gleichzeitig ein Blick in die Zukunft. Und werde mir aus dem Bücherregal meiner Eltern wohl mal wieder die alten Ian-Fleming-Bücher stibitzen 😉

    Herzliche Grüße,
    Katharina

    • Alexa Bastone sagt:

      Hallo Katharina,

      ich finde das so interessant wie sich die Sichtweisen hier unterscheiden, wie einiges so ganz anders wahrgenommen wird und das ist auch gut so. Wie langweilg wäre die Welt, wenn wir alle dieselbe Sicht auf die Dinge hätten und nur eine Meinung vorherrschen würde.
      Liebe Grüße

      Alexa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.